MIT  

IM DOPPELPASS DER KULTURSTIFTUNG DES BUNDES

BLACK FACE JENA


Jena bleibt Mittelpunkt, Inspiration und Materiallieferant für ein Unterfangen, das die Stadt in ein Spiegelkabinett versetzt: Dort findet sie sich wieder, unheimlich, glanzvoll
, verwandelt. 



Mal dir eine Maske, und du bist frei!

Mit dieser Ansage begann in 2012 BLACK FACE JENA, die zweijährige Koproduktion von Mass & Fieber OST mit dem Theaterhaus Jena. Das vom Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes geförderte Projekt verstand sich als Recherche-Unternehmen zu Vaudeville, Varietätenkabinett, Varieté, mit dem Ziel, Varieté und Varietätenkabinett selbst auf die Bühne zu stellen, ohne Scheu vor alten Formen, und mit Jena und seiner vielfältigen Geschichte als Materiallieferant. Uns interessierten dabei gerade auch die Randständigen, die Freaks und Querdenker, die immer schon im Vaudeville beheimatet waren, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe. Im Varieté gilt das Talent: Wer das Publikum zu begeistern verstand, fand hier seinen Ort - und nicht selten den Weg zurück, mitten in eine Gesellschaft, die sich dem Fremden, dem Neuen, dem Andersartigen lieber verschließt.

Die erste Produktion des Projekts, BLACK FACE: DIE VILLA, fand 2013 der Villa Rosenthal in Jena statt; hier führte eine Varietétruppe, die in die Villa eingezogen war, die Zuschauer auf sechs verschiedenen, streng getakteten Wegen durch Räume und Kabinette, in denen unter anderem Nietzsche über Masken räsonnierte, der Clown Fatty Arbuckle Experimente betrieb, der Zoologe Ernst Haeckel über Wissenschaftsfälschung und die Vorteile der Selbsttötung plauderte und überall Puppen in schwarzen Moretta-Masken den Gang der Dinge unterbrachen - oder vorantrieben, man wusste es nicht so genau. Im Hintergrund des Spektakels klang die tragische Geschichte der prominenten Familie Rosenthal an, der die Villa einst gehört hatte: Der einzige Sohn fiel im 1. Weltkrieg in Frankreich, der Jurist Rosenthal, der die Thüringer Verfassung mitentworfen hatte, erlebte nur durch frühes Ableben nicht mit, wie die Nationalsozialisten seine Witwe aus der Villa zu drängen versuchten. Für Clara Rosenthal schrieben wir einen Song, dessen traurige Schönheit auch diejenigen, die Zweifel hatten, ob jene Tragik mit dem Spektakel überhaupt zusammengehen konnte, überzeugt hat: „Dieser Tag wird mein letzter sein."

Ergänzt wurde das Villen-Spektakel durch „Das Black Face Buch der Masken", das anhand der verschiedenen (ausschließlich schwarzen) Masken im Spiel - von Anubis über Moretta bis Eishockey - die Charaktere und ihre Bedeutung für Varieté und Jena weiter ausführten. Der Andrang der Zuschauer in die Villa war gewaltig. Längst nicht alle, die das Kabinett besuchen wollten, konnten wir Zutritt gewähren - aus logistischen Gründen ließ sich die Vorführung nicht mehr als acht Mal spielen. Immerhin schuf diese Situation eine schöne (und hohe) Erwartungshaltung für den zweiten Teil des Projekts.

DER SCHWARZE KOMET, Varieté in 17 Szenen auf der Bühne des Theaterhauses, interessierte sich dann weniger für Masken als für das, was hinter der Maske liegt. Dieselben Figuren stehen auf der Bühne, aber die Zeiten haben sich geändert. Gustav Schott, der frühere preußische Theaterpolizist, ist hier nun als Ex-Stasi-Spitzel untergekommen und hat die Leitung übernommen, nachdem Varieté-Direktor Samuel Meyer nach einem Mord im Affekt an der Kassiererin, die ihn schon in der Villa betrog, verschwunden ist. Es heißt, Meyer widme sich den talmudischen Lehren seiner rabbinischen Vorfahren... Erlösung ist gefragt, der Ausbruch aus dem ewigen Kreislauf des Varietés, in eine nächste Welt. Eine neuer Exodus? Was aber ist dann mit dem einzigen Zuschauer, der immer hinter einem Vorhang verborgen unser Treiben betrachtet - was ist mit Gott?

Fest steht jetzt schon: Dem schwarzen Kometen ist der Einschlag geglückt. Die Fortsetzung leuchtete dem Publikum ein, fernab vom gleichzeitig stattfindenden Theatertreffen in Berlin gab es bei der Premiere einen Applaus, bei dem sich das Dach des Theaters aus der Verankerung zu heben schien.

Und wir freuen uns!

Blumentanz FOTO J. DETTE

 
LOGO Th. RHYNER  
FOTO: Joachim Dette

Puppentheater mit Nietzsche FOTO J. DETTE
 
Meyer und Masken FOTO J. DETTE
 
Strip Feuerwehr FOTO J. DETTE
 
Meyers Heimkehr FOTO J. DETTE
 
Schott und die Geräte FOTO J. DETTE

Die zwei Hauptproduktionen von BLACK FACE JENA sind BLACK FACE: DIE VILLA (2013) und DER SCHWARZE KOMET (2014)
  gefördert im Fonds Doppelpass der