worum es geht / konzept

Der Bürgerkrieg ist ein Albtraum der Moderne. Es gibt kaum noch konventionelle Kriege. Stattdessen stehen Religion gegen Religion, Stamm gegen Stamm, der Nachbar gegen den Nachbarn, Gegner, die keine übergeordneten staatlichen Instanzen und damit auch keine Völkerrechtskonventionen anerkennen.

Wer in einen solchen Albtraum gerät, kann nur versuchen, die ihm aufgezwungenen Rollen zu erfüllen. Er wird Partei ergreifen und erkennen, dass es auf keiner Seite Gerechtigkeit oder Milde gibt. Es gibt nur Schuldige, die Opfer gewesen sind, Opfer, die im nächsten Augenblick schon zu Tätern werden können. Doch auch in dieser Welt, die das Korsett der Zivilisation abgestreift hat, gibt es Regeln - unzählige Regeln, die sich gegenseitig widersprechen...

Nachbarn F:TPeiosINHALT: In einer Novembernacht kommt ein junger Mann mit seinem Auto von der Strasse ab und findet Unterkunft in einem alten Haus. Drei Frauen wohnen hier, drei Geister. Sie sind die Toten eines Bürgerkriegs, und der Tod hat sie zu Heiligen, zu Furien gemacht, die den Krieg, dem sie zum Opfer fielen, endlos wiederholen müssen. Sie wecken den jungen Mann, sie erscheinen ihm in verschiedenen Gestalten, sie machen ihn glauben, dass mitten in der stillen Schweiz ein Bürgerkrieg ausgebrochen sei. Und sie finden ihren Spaß daran, dem jungen Mann ihr Hexen-Einmaleins des zivilen Unfriedens beizubringen. Anfangs macht er nur unwillig mit, aber bald schon schreitet er selber zur Tat, und dann verliebt er sich auch noch in die jüngste der drei...

this was not supposed to happen Foto: Tina Peios
Mit dem Geistersingspiel DIE SCHWARZE KAMMER knüpft MASS & FIEBER unter anderem an das Stück zur Expo02, RED CROSS OVER an. Das 'Lehr- und Singspiel' auf dem Schiff der Arteplage mobile du Jura erzählte vom Roten Kreuz und der Schweizer Neutralität: Sein Thema war der Krieg. Nun steht der Bürgerkrieg im Mittelpunkt und damit der Zustand von Frieden in einer von Kriegen umzingelten Welt. Es wird in drei Sprachen gespielt (Deutsch, Französisch, Englisch). Eine Videoinstallation erweitert den Assoziations-Raum mit Filmausschnitten und Text/Übersetzungen, die über drei Monitore in das Bühnenbild integriert sind und als eine Art „Hexentagebuch" der drei Hauptfiguren gelesen werden können.



 

 


 

Pfarrer Rechsteiner Foto: Tina Peios