Pressestimmen

indien europeen F:Tina Peios


VILLA UNHEIMLICH

Simone Meier, Süddeutsche Zeitung, 16.4.08

Mass&Fieber, die bisher so schräg verspielte, Intertext- und Diskurs-fixierte Pop-Projekt-Theatertruppe des Regisseurs Niklaus Helbling, hat den Bürgerkrieg auf die Bühne gebracht... Premiere hatte das Stück in Bern, danach war es im Zürcher Theater Rigiblick zu sehen, einem Theaterhaus, das genauso niedlich ist, wie sein Name verspricht. Doch seine Lage ist bestechend: Es hockt weit oben am Berg, gerade wie das neu eröffnete Prachhotel Dolder, und nur wenige Meter vor seiner Pforte liegt das eingezäunte Grabmal von Georg Büchner, der wie kein Zweiter den Krieg und das Theater zusammendachte.
...das Plakat haben sie im Horror-Fundus geklaut: Als wären sie Tim Burtons „Sleepy Hollow" oder „Sweeney Todd" entsprungen, blicken drei Gothic-Megären auf eine schöne, junge, blonde Männerleiche. Ebenso filmisch saugt es die Zuschauer wie den jungen Mann (Samuel Streiff) im Theater in das Reich der bösen Weiber (Fabienne Hadorn, Malika Khatir, Nicole Steiner)... Immer packender, immer rabiater wird es auf der Bühne, Zombies tauchen auf und gemeine Kinderverse, selbst die Requisiten - Tische, Bürostühle, ein Schrank - nehmen teil an der Gewaltproduktion, werden zu Wällen, Schützengräben, Verstecken, die immer präsente Musik von Markus Schönholzer und Martin Gantenbein pendelt zwischen fiesem, hauchfeinem Elektro und handfesten Rock-Moritäten...
Das Finale dieses eindringlichen Abends über die Mechanik der Gewalt gerät zum Inferno: Der junge Mann, zugerichtet in der Black Box des Schreckens, als das sich die schwarze Kammer, ein Zimmer in der Villa Unheimlich, erweist, legt Feuer. Dutzende von Kriegsflüchtlingen, die sich im Haus versteckt hatten, verbrennen. Das behaupten jedenfalls die drei Frauen. Auch der junge Mann ist jetzt einer von den Bösen. Und vielleicht applaudiert ja sogar Georg Büchner in seinem Grab.

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Mass & Fieber im Schlachthaus Theater

Kaa Linder, DRS2 Aktuell 25.2.08

Harmlos beginnen sie, die schlimmsten Märchen der Welt. Auch dieses. In epischer Ruhe zwischen schäbigen Küchentischen und geblümten Mottenschränken beginnt die Geschichte vom jungen Mann, der eines Nachts von der Straße abkam... Mass & Fieber erzählen von dem, was übrig bleibt, wenn außer Soldatengräbern, Witwen, Krüppeln und Alpträumen nichts mehr übrig bleibt ... zitieren Kunst- und Filmwelt, recylclen, was sich an Kriegsbildern längst auf unserer Netz- und Herzhaut festgebrannt hat. Brigitte und Niklaus Helbling für Text und Regie verantwortlich, operieren intelligent mit den Schlachtfeldern, die sich der sogenannt zivilisierte Mensch erschaffen hat... und so wird „Die Schwarze Kammer" bei aller Grausamkeit zum aktuellen und berührenden Lehrstück. Vier großartige und glaubwürdige Schauspielerinnen und Schauspieler, die auch singen können. Zwei Musiker, die auch Theater spielen können. Und Musik, die ist wie Balsam auf klaffenden Wunden. Dieses Geistersingspiel ist ein kleines Wunder. Trost im Theater - warum auch nicht.

Der ganze Beitrag ist zu hören auf der Homepage von DRS2 Aktuell.

Schlümpfe in Ruanda

Daniel di Falco, Der Bund 25.02.08

Ein hässliches Wort, aber man kommt nur schwer darum herum: Mass & Fieber sind wirklich «Kult» ... «Die schwarze Kammer», am Samstag im Schlachthaus-Theater uraufgeführt, ist eine bühnenfüllende Collage aus Liedern und Geschichten aus den Kriegen dieser Welt... Antiimperialisten sprengen Briefkästen. Sonderbundskrieger erobern Wirtshäuser. Und dann ist da noch ein Mann mit blauer Mütze und UN-Weste (Markus Schönholzer, der zusammen mit Martin Gantenbein den Abend musikalisch bestückt), den sie «Schlumpf» nennen: Irgendwo zwischen Srebrenica und Ruanda hat er sich ein Trauma mit madenkrabbelnden Leichen und der Aussichtslosigkeit seines Amts geholt und verarbeitet das jetzt - so komisch wie beklemmend - in einem schaurig guten Rocksong.

Wie all das zusammengeht? Schwer zu sagen, und eben darum ist dieser Abend eine bleibende Erfahrung... Es ist alles echt hier und doch nicht wirklich, und dem Zuschauer geht es bald wie dem unseligen Helden... Erst öffnen sie einem den Kopf, dann schrubben sie einem wie mit einer Fegbürste das Gehirn...

«Die schwarze Kammer» ist ein Furor, dabei aber unheimlich präzis und konzentriert (Choreografie: Salome Schneebeli)... ein Tinguely-Apparat des Theaters, ein Teilchenbeschleuniger, in dem sich jeder Text, jeder Song und jedes Requisit in einer Batterie von Bildern entlädt... Dazu kommt eine elementare Spielfreude, und das heisst im Fall von Samuel Streiff, dass sein Hemd schon zur Halbzeit flächendeckend vollgeschwitzt ist.

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Kriege brennen, Bilder fluten

Alexandra von Arx, Berner Zeitung 25.02.08

... Unmöglich ist nur, die hereinbrechende Informationsflut und Bildergewalt vollständig zu entschlüsseln. Darin gerade liegt eine Stärke der Inszenierung: Sie schafft Raum für eigene Bilder und Gedanken. Wie bei einem Feuer springt immer wieder ein Funke Erkenntnis in die schwarze Kammer des Kriegs hinein.
Der Abend endet mit dem Song über einen Dichter, der mit seiner Sprache Verbrechen rückgängig machen kann. Ein Wunschtraum. Die Hoffnung darauf geht wie das Geisterhaus in Flammen auf.

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Kriegsumzingelt

Thomas Bodmer, ZüriTipp, 19.03.08

Nun tun sie dies wieder, im achten Stück, das Brigitte und Niklaus Helbling für ihre Truppe Mass & Fieber geschrieben haben, im «Geistersingspiel aus dem Bürgerkrieg» mit dem Titel «Die schwarze Kammer». Wie immer bei den Helblings wuchern die Assoziationen wild, und es ist nicht wirklich alles verständlich. Aber ebenfalls wie immer gibt es Songs und Szenen, die einem in Erinnerung bleiben, und tolle schauspielerische Leistungen...Die Sprachen wechseln zwischen Deutsch, Französisch und Englisch (wenn Schönholzer als überforderter Blauhelm-Offizier auftaucht), Gantenbein gibt einen guten Pfarrer ab, und jede der drei Frauen hat ihre Glanznummer. Richtig Gänsehaut bekommt man, wenn die Köchin beschreibt, was sie vom Fenster aus sieht: den Laden mit den Glückwunschkarten, der schon lange zu ist, den verkohlten Fahrer im ausgebrannten Jeep und die Tafel vor der Metzgerei, wo draufsteht: «Heute Spezial: Wurstsalat».

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Steine werfen und die Wellen beobachten

Unter diesem Titel erschien im Tagesanzeiger am 19. März aus Anlass der Zürcher Premiere ein schöner Artikel über MASS & FIEBER von Nina Scheu. Demnächst als PDF in unserer INFO-Spalte zu lesen.


Im Strudel auflodernder Bürgerkriegswirren

Roland Erne, Aargauer Zeitung, 25.02.08

[…] Das atemlos dichte Spiel des gesanglich wie darstellerisch einmal mehr brillanten Mass-&-Fieber-Ensembles erweitert dabei eine Videoinstallation (Elke Auer, Christina Peios) mit Filmausschnitten und Texteinblendungen auf drei fahrbaren Bildschirmen, die zum multifunktionalen Spielmaterial einer immer wieder durcheinandergewirbelten Bühnenlandschaft (Dirk Thiele) gehören... Und siehe da: Der junge Mann legt seine anfängliche Zurückhaltung ab, greift zum Gewehr. Es tönt nach «Nachbar-Aas im Gras». Lichterloh lodern Flammen. Die Schweiz ist halt auch keine Friedens- insel. Warum also nicht Abhauen › mit der Jüngsten. ... Damit lässt es Niklaus Helblings fulminante, auch grelle Bilder nicht scheuende Inszenierung in Horror-Trip-Manier indes nicht bewenden. «Einmal wird einer kommen, der die Verbrechen rückgängig macht», skandiert sein mittels Sprechgesang zuletzt für die Utopie entbranntes Team mit Inbrunst. Der ambitiösen Uraufführung im Berner Schlachthaus Theater brandet anhaltender Applaus entgegen.

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Im raffinierten Bürgerkrieg

Adrian Ricklin, WOZ, 28. Februar 2008

...ob solcher intelligentes Hypertext-Poptheater beim Publikum die Auseinandersetzung mit sozialen Konflikten fördert oder doch eher überblendet als erhellt? Der Rezensent, nachdem er das Theater verlassen hatte und an diesem vorfrühlingshaften Samstagabend durch die verdächtig ruhigen Gassen in der Berner Innenstadt bummelte, hatte nicht das Gefühl, soeben an einer Geisterfahrt teilgenommen zu haben, sondern vielmehr an der Einweihung einer gut geschmierten Unterhaltungsmaschine... Eine Betriebsstörung hätte gut getan. Dann wäre die Frage, die die Theatermacher an den Anfang ihrer Untersuchung gestellt haben, jene nämlich, wieviel es braucht, bis "unser friedensverwöhnter Schweizer Jedermann... bereit ist, mit dem Gewehr auf einen Nachbarn zu schießen," größer und klarer im Raum hängen geblieben, nachdem der enthusiastische Beifall des Premierenpublikums verklungen war. Wie sagte der junge Mann? "Ich dachte immer, dass Frieden eine Illusion sei. Jetzt weiß ich es, und ich bin froh darüber."

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Zuflucht bei den Hexen des Bürgerkrieges

Serge Kuhn, Werderberger & Obertoggenburger, 25.02.08

Mutig, wer Bürgerkrieg zum Thema eines Singspiels macht - umso mehr, wenn das Stück auch humoristische Passagen enthält. Im Falle der Theatergruppe Mass & Fieber hat sich der Mut gelohnt... in dem Stück gehen Tragik und Komik ineinander über. Szenen, in denen Rosa ihr Fallbeil schwingt, erinnern an den Musicalfilm "Sweeney Todd". Das Singspiel ist dennoch kein Musical, zumal mehr gesprochen als gesungen wird... "Die schwarze Kammer" endet - unerwartet - mit einem Song, der ein Gebet ist. Noch erstaunlicher: Es wird erhört. Der, "der alle Verbrechen ungeschehen macht, die Toten ungemordet, die Mädchen ungeschändet", ist schon bei uns. Der Messias im Stück trägt einen fremdländischen Namen und lebt in einer Hochhaussiedlung...


Im Splitterregen des Grauens

Katja Baigger, NZZ 22/23.3.08

Am Donnerstag ist viel Prominenz aus der Schweizer Kulturszene im Theater Rigiblick erschienen. Was ihr geboten wurde, war mehr als modisches Pop-Theater... ein pessimistisches Gruselspiel mit Nachwirkungen, die einen bis in die Träume verfolgen können.

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Im Bürgerkrieg

Simone von Büren, NZZ am Sonntag, 2. März 2008

Die neue Produktion von Mass & Fieber besticht durch ihre differenzierte Dramaturgie, inhaltliche Dichte und Präzision. Text- und Musikkompositionen fügen sich im neuen Geistersingspiel "Die schwarze Kammer" zu einer gleichermaßen verstörenden wie amüsierenden, poetischen Geistergeschichte.

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ZITATE IN KÜRZE

"Dieses Geistersingspiel ist ein kleines Wunder." Kaa Linder, DRS2

"Und vielleicht applaudiert ja sogar Georg Büchner in seinem Grab..." Simone Meier, Süddeutsche Zeitung

"«Die schwarze Kammer» ist ein Furor, dabei aber unheimlich präzis und konzentriert." Daniel di Falco, Der Bund

"Darin gerade liegt eine Stärke der Inszenierung: Sie schafft Raum für eigene Bilder und Gedanken." Alexandra von Arx, Berner Zeitung

Mutig, wer Bürgerkrieg zum Thema eines Singspiels macht ... Im Falle der Theatergruppe Mass & Fieber hat sich der Mut gelohnt." Serge Kuhn, Werderberger & Obertoggenburger