Arbeiten

Thomas Rhyner KATER-LOGO

2024: Kater der Zukunft

Theater, Parkinson und die Kunst des Betrugs

Der Kater ist alt. Einst war er Schauspieler an vielen Theatern, inzwischen ist er nur noch selten gefragt, und mit dem Geld hapert es auch. Dazu kommt seine Parkinson-Erkrankung, für die er sich Unterstützung ins Haus geholt hat: Kali, die 25-jährige Nichte einer ehemaligen Clowns-Kollegin. Sie hilft ihm bei seinen Übungen, im Gegenzug unterrichtet er sie in der Kunst des Betrugs. Als die Schauspielerin Fox sich dem Kater-Haushalt anschließt, nimmt das Geschehen Fahrt auf.

KATER DER ZUKUNFT ist eine Kombination aus Backstage-Comedy, Theater-Selbstbefragung und der Suche nach dem perfekten Betrug. Die Komödie wurde entwickelt und geschrieben für und in Gesprächen mit Hans-Jörg Frey, 72-jähriger Schauspieler mit Parkinson, der Berliner Schauspielerin Antonia Labs, 35 Jahre alt, und Nica Heru, Hamburger Debütantin deutsch-indonesischer Herkunft.

Plakat RHYNER/Mass & Fieber mit FOTOS Ariane Pochon

2021: Der neue Prinzenspiegel

oder Fanny und Isabella sind tot

Willkommen bei Fanny und Isabella von Pearl Beach Coaching! Die beiden beraten die globale Machtelite in strategischer Auftrittskompetenz – frei nach Machiavelli, Hannah Arendt und Bugs Bunny. Heute Abend stellen sie ihr Buch vor: „Der neue Prinzenspiegel (auch für Prinzessinnen geeignet!)“. Es empfiehlt, die Regeln selber zu erfinden, rät zur Maskerade und lehrt den Blick auf die Uhren. „Wir sind die Fachfrauen für ungewöhnliche Lösungen.“ Doch wirken die Ladies beunruhigt. Ihre sämtlichen Internet-Accounts sind gesperrt. Beim telefonischen Störungsdienst landen sie immer in der Limbo-Schleife. Und dann ist da noch dieser Auftrag, vor dem man sie gewarnt hat. Die Suche nach dem roten Spatz – the Red Sparrow – der sie ins Genfer Lokal La Bomba führen wird.

2021: Frauen im Laufgitter

Eine Ausstellung zu Iris von Rotens feministischem Klassiker von 1958

«Die «Inszenierung» einer Ausstellung verstehen wir als einen Auftrag besonderer Art: Es gilt, Frauen im Laufgitter als performatives Erlebnis den Besucherinnen und Besuchern nahezubringen – in seiner Widersprüchlichkeit, seiner Vehemenz und seiner Aktualität. Nicht zuletzt heisst das auch, das Werk in seinen Bezügen zu neueren feministischen Stellungnahmen zu reflektieren.»

Mondmaschine FOTO Ariane Pochon

2019: Die Mondmaschine

Lecture Performance zu Maschinen, Menschen und Bakterien

1969 landete der erste Cyborg auf dem Mond. 50 Jahre später nimmt die MFO-Wissenschaftlerin Celeste Abernathy in einer Lecture Performance das NASA-Unterfangen noch einmal ins Visier, fragt nach Fischen und Kriegen, nach Evolution und Revolution und Künstlicher Intelligenz… Im dritten Teil dieser flirrenden posthumanistischen Weltschau wechselt ein weiteres Mal die Perspektive. Eine Geschichte wird zuende erzählt. Eine andere fängt an. Für wen flog die Apollo damals tatsächlich zum Mond (und wie war das mit den Bakterien)?

„Unsere Maschinen sind so erschreckend lebendig, und wir so entsetzlich träge!“ (Donna Haraway, The Cyborg Manifesto)

James Bomb - Das Konzert Plakat Thomas Rhyner

2016: James Bomb

Das Konzert

Mit 15 Originalsongs und einem Cover, mit Input von Thüringen über Teheran (thank you NASIM!) bis Hamburg-Turicum – JAMES BOMB DAS KONZERT ist ein musikalisches Laboratoire zu den Themen Paranoia und Heimat, Geheimdienst und Glamour und einigem mehr.

Sturm in Patumbah FOTO R. HADAD

2015: Sturm in Patumbah

Eine Geisterschau des Schweizer Kolonialismus in 12 Räumen und einem Park

Prospero hat mit seinen Gefährten die Insel verlassen und residiert jetzt in der Villa Patumbah in Zürich Seefeld. Er ist Zauberer, Visionär und Ausbeuter, ein Schweizer Unternehmer mit Entdeckergeist. Seine Handelsfirma, Prospero Trading, hat in der Villa ihren Hauptsitz und feiert in diesem Jahr ihr 400-jähriges Jubiläum. Tochter Miranda führt inzwischen die Geschäfte, Schwiegersohn Ferdinand steht ihr als Juniorchef bei. Im Keller und im Park wohnen Ariel und Caliban, die Wesen, die Prospero untertan sind. Die Monster sind kultiviert worden – und sie werden immer mehr. Und alle wollen sie mitmischen.

Auf fünf verschiedenen Wegen werden die Zuschauer durch Villa und Garten geführt, lernen eine koloniale Schweiz kennen, die es angeblich nie gegeben hat, erfahren, wie man als Schweizer mit transatlantischem Menschenhandel Geld verdienen kann, und entdecken in dieser Familiengeschichte, angelehnt an Shakespeares „Sturm“, eine Heimat, die sich gerne als autark begreift, tatsächlich aber intensiven und lukrativen Anteil am Welthandel vergangener Jahrhunderte hatte.

Der schwarze Komet FOTO Joachim Dette

2014: Der schwarze Komet

Varieté in 17 Szenen

Gustav Schott, der frühere preußische Theaterpolizist, ist im Varieté nun als Ex-Stasi-Spitzel untergekommen und hat die Leitung übernommen, nachdem Direktor Samuel Meyer nach einem Mord im Affekt an einer Kassiererin verschwunden ist. Es heißt, Meyer widme sich den talmudischen Lehren seiner rabbinischen Vorfahren… Erlösung ist gefragt, der Ausbruch aus dem ewigen Kreislauf des Varietés, in eine nächste Welt. Eine neuer Exodus? Was aber ist dann mit dem einzigen Zuschauer, der immer hinter einem Vorhang verborgen unser Treiben betrachtet? Was ist mit Gott?

2013: Black Face: Die Villa

Mädchen, Masken und Moneten

Mit seltsamen Flugbegleitern geht es los: Meyers Varietäten-Kabinett ist in die Jenaer Villa Rosenthal eingezogen und hält sämtliche Räume besetzt! Ein Fährschiff brennt; ein Ire bewirbt sich als Blackface-Darsteller; Eva Braun geht zum Karneval; Nietzsche spricht mit einem Pferd; Fatty Arbuckle führt in die Drohnentechnik ein; Ernst Haeckel beschwört die sexuelle Zellenliebe – und überall sind diese Puppen, denen Direktor Meyer nicht mehr Herr wird…

2012: TELL/ZAHHAK

Ein Mythentausch Theater

Wilhelm Tell spricht Farsi, der Schmied Kaveh ruft mit Schweizer Akzent zum Widerstand auf. Zwei Theaterkollektive tauschen Wie jeder in der Schweiz Wilhelm Tell kennt, kennt auch jeder im Iran den Schmied Kaveh aus dem persischen „Buch der Könige“: Er ist ein Held aus dem Volk, der sich gegen die Tyrannei des Herrschers Zahhak auflehnt. Als der Drachenkönig dem Schmied den Sohn nehmen will, stellt sich Kaveh auf den Marktplatz und ruft zur Revolte auf. Das Fanal des Aufstands ist seine Schürze, die er an einen Speer hängt. Gesslers Hut an der Stange und Kavehs Schürze sind zwei Symbole von Unterdrückung und Befreiung, die sich ins kollektive Bewusstsein der Schweizer und Iraner eingeschrieben haben. Sie geben den Ausgangspunkt des gemeinsamen Projekts der Zürcher Theatergruppe Mass & Fieber und der Iranischen Theatergruppe Don Quixote aus Teheran.

FOG Foto Joachim Dette

2012: Fall Out Girl

Radioaktive Roadshow

Bartleby würde ja lieber auf seinem Berg in Thüringen bleiben. Stattdessen ist er mit Fall Out Girl unterwegs, die will, dass etwas geht. Mit ihrer „radioaktiven Roadshow“ ziehen die beiden wie die Quacksalber im alten Amerika durchs Land – nur haben sie statt Traktaten und Wundermitteln Songs, Videos und verstrahlte Geschichten im Gepäck… FALL OUT GIRL setzt an bei der schlichten Einsicht: Nicht die Pyramiden oder Beethoven werden vom Menschen bleiben, sondern sein radioaktiver Müll, strahlend auf 100’000 Jahre. Zeit, uns mit unserem Erbe zu befassen!

Snakes & Ladders THOMAS RHYNER

2010: Geld und Gott

Superheldenkomödie nach Dante

Screwball Noir nennt Mass & Fieber sein neues Stück „Geld und Gott“ – schnelle Dialoge und enge Terminpläne, Liebe und Zorn, Angst und Leidenschaft auf der schillernden Leinwand der modernen Kasinogesellschaft. Morgengrauen in Gotham. Anwalt Maximilian und Schauspielerin Betty trinken in einer Hotelbar, als ein Mann in einem Superheldenkostüm vor ihren Augen in den Tod stürzt. Den Fall behandelt Polizistin Josefine, die bald dahinter kommt, dass Max mit illegalen Millionen unterwegs ist. Eigentlich sollte sie ihn verhaften, stattdessen verliebt sie sich. Meanwhile… träumt der melancholische Hotelkoch Juan von der schönen Betty und trifft einen Mann, der aussieht wie Bob Dylan. Der nimmt ihn mit auf eine Reise durch die Hölle. Die Ereignisse überstürzen sich, als die fünf sich auf einer Party auf der Yacht Purgatoria wieder begegnen: Der Gastgeber ist Otto Gott, der reichste Mann der Stadt.

2008: Die schwarze Kammer

Geistersingspiel aus dem Bürgerkrieg

Mit dem Geistersingspiel DIE SCHWARZE KAMMER knüpft MASS & FIEBER unter anderem an das Stück zur Expo02, RED CROSS OVER an. Das ‚Lehr- und Singspiel‘ auf dem Schiff der Arteplage mobile du Jura erzählte vom Roten Kreuz und der Schweizer Neutralität: Sein Thema war der Krieg. Nun steht der Bürgerkrieg im Mittelpunkt und damit der Zustand von Frieden in einer von Kriegen umzingelten Welt.

Mort du Dinosaur TIERPARK

2008: Tierpark

Das Geländespiel

Nachbarn werden zivilisiert, Fremdland zur öffentlichen Schatzkammer erklärt: MASS & FIEBERS TIERPARK erkundet vor dem Zentrum Paul Klee in Bern und auf der Landiwiese in Zürich die europäische Kolonialgeschichte. Zuschauer sind eingeladen, sich dem Parcours mit Croquet und Großwildjagd, Alphabetisierung, Missionierung und der Vermessung der Welt anzuschließen. Mit Hymnen, „Wildlife“ und Trophäen, eine interaktives Spiel für jung und alt.

WILDE DETEKTIVE Gruppenbild Altorfer

2008: Wilde Detektive

Ein fiktiver, selbstbezüglicher Abend mit Fundstücken, Bekenntnissen, Gruppenbildern, Abschweifungen und sehr schöner Musik

„Ich wäre gerne ein Detektiv geworden, viel lieber als Schriftsteller. Ein Polizist, der ganz alleine Nachts an den Ort des Verbrechens zurückkehrt und keine Angst hat vor Gespenstern.“ Roberto Bolaño in einem Interview für Playboy im Jahr seines Todes.

2006: Houdini

Die Rock’n’Roll Show der letzten Befreiung

Im Zentrum des Abends steht ein Entertainer, der sich Harry Houdini nennt, trotzdem der historische Houdini seit über achtzig Jahren tot ist. Begleitet wird er von einer musikalisch gewaltbereiten Truppe, die offenbar mehr tut als ihm nur zu assistieren. Ist der Mann ein Schwindler, ein Geisteskranker oder der Gefangene einer Organisation, die Terrorverdächtige in fremde Länder überführt? Zwei Polizisten und zwei Krankenschwestern wollen mehr wissen. Ein Handschellenkönig findet seinen Weg nach Mexiko. Die Sicherheit liegt im Risiko!

Autodrom Plakat THOMAS RHYNER

2003: Autodrom

Eine Expedition ins Leben mit den Autos

MASS & FIEBER untersucht das Mensch-Auto-Verhältnis und erzählt seine mögliche Fortsetzung in einer nicht allzu fernen Zukunft. In AUTODROM wird eine Automesse eröffnet. Neue Modelle werden präsentiert. Ein Ehepaar fährt zur Selbstabholung ihres Familienkombis nach Wolfsburg. Ein arbeitsloser Webdesigner gewinnt einen Audi A8L. Eine Putzfrau singt ein Lied. Und dann beginnen die Fahrten.

AUTODROM ist ein Abend mit Fahrgeräuschen und Messias-Chören, mit Bekenntnissen, Überrollbewegungen und weitreichenden Offenbarungen. We have seen the future, and it is not us.

2002: Red Cross Over

Ein Lehr- und Singstück über die Neutralität

Die Arteplage Mobile du Jura (Expo 02) wird zur Theaterbühne. RED CROSS OVER ist für ein Schiff geschrieben – für dieses Schiff. Mit einer einmaligen Kulisse: die Postkartenansicht der Schweiz im Jahre 2002. Und das Schiff spielt mit. Als fahrendes Theater wechselt die AMJ innert Sekunden ihren Zustand, wird vom Partyboot zum Flüchtlingsschiff, von einer Piratenschaluppe zum Geisterkahn. Aufbruch in die Dämmerung – Ankunft bei Nacht. Wie bleibt man neutral, ohne angeschwärzt zu werden?

MASS & FIEBER lädt ein zu Kriegsgesängen und Anlageberatung, Mythenbeschwörungen und der Suche nach den letzten Dingen. Einmal noch die Schweiz als Reservat erleben, einmal noch die präneutralen Heldenfabeln feiern, und dann – den Sprung wagen, ins kalte Wasser jenseits des Sonderwegs. Ein Abend mit acht Schauspielern und drei Musikern. Dem Tod geweiht, zur Liebe bereit – wir sind die letzten Mohikaner.

BAD HOTEL HEFT Cover

2002: Bad Hotel

Home to a certain world

Die Hotelinstallation BAD HOTEL stand in der Halle des Theaterhauses Gessnerallee vom 29. November 2002 bis zum 9. Januar 2003. Dem Publikum geöffnet war es in dieser Zeit an sieben langen Wochenenden. MASS & FIEBER war zuständig für den Sleeper-Raum (Hoteldirektorenportraits: Thomas Ott) und den Raum der Villains.

2001: Krazy Kat

Die Liebe im Zeichen des Pflastersteins

Heute Abend spielen die „Petroleusen“, eine fünfköpfige Kapelle mit rückwärts gewandtem Geschmack. Sie mögen Rock’n’Roll, Dada und politische Debatten. Sie sind der Meinung, dass die Gewaltfrage noch einmal gestellt werden muss, und sie lieben einen alten amerikanischen Zeitungscomic: KRAZY KAT. – Hat George Herriman eine geniale politische Utopie erfunden? Ist Ignatz Mouse ein revolutionärer Attentäter? Findet man in Coconino das anarchistische Paradies?

Dead Cowboys Radio Show

Die „Dead Cowboys Radio Show“ war ein Spin-Off der Theaterproduktion PRÄRIEPRIESTER mit der freien Radio-Gruppe LIGNA (Hamburg). Auftraggeber war der Kunstverein Graz mit ihrer RE-PUBLIC-Reihe für den steirischen herbst 2000. Die Mitwirkenden traten als Mesmeric Society Tombstone in Erscheinung und gingen während eines eintägigen Feldkongresses den faktisch-fiktiven Zusammenhängen von Radio, Krieg und der technischen Eroberung des Äthers nach.

Plakat Präriepriester Dachsfarm

2000: Präriepriester

Eine Westernprojektion

Jacques Rockford, Werbetexter, alleinstehend, Anfang vierzig, muss auf seine Gesundheit achten. Auf seinem Hometrainer reitet er in einen Traum vom Wilden Westen. Die Staubflocken unter seinem Bett verwandeln sich in Tumbleweed, die Geister des Alhambra Saloons nisten sich in seiner Wohnung ein. Susi, die Postbotin, und Kurt, der Pizzajunge, mischen sich ein – warum sind die auch da? In dieser Nacht werden alle Westernträume wahr, und dann auch einige, die man sich nie hätte träumen lassen. Die Geister spielen dazu Musik, dokumentieren mit Kameras das Geschehen und erstatten in der Lokalzeitung Bericht. Jacques ist in Tombstone, der legendären Revolverheldenstadt, gelandet, und sein Werdegang vom Sheriff zum Priester wird allen zeigen, was für ein Kerl wirklich in ihm steckt.

Nach „Bambifikation“ präsentieren MASS & FIEBER ihren zweiten Abend für Leute, die schon zuviel im Theater waren und die, die ohnehin nie hingehen. Diesmal mit Live-Video und Originalsongs. Sterbende Menschen! Sprechende Tote! Blood and Pizza!

Bambi-Postkarte Dachsfarm

1999: Bambifikation

Plastikmenschen schauen dich an

Der rehkranke Abend von Niklaus Helbling und Martin Gantenbein: BAMBIFIKATION – ist ein Themenabend im Kinderzimmer. Fabienne Hadorn, Markus Schönholzer und Bo Wiget sind drei Geschwister aus Langenthal, die sich auf eine assoziative Reise durch die Rehgebiete begeben. Eine Pyjama-Party, eine Prärie-Fahrt, ein Pop-Konzert, ein Öko-Vortrag.